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    "Ausbluten" der Bodenverkehrsdienste

    Flughafen Köln/Bonn GmbH

    "Ausbluten" der Bodenverkehrsdienste

    ver.di kritisiert Flughafen-Geschäftsführer Schrank für das „Ausbluten“ der Bodenverkehrsdienste

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer des Flughafens Köln-Bonn. In den laufenden Verhandlungen um den Fortbestand der Bodenverkehrsdienste (BVD) soll Druck auf Betriebsrat und Gewerkschaft ausgeübt werden. Dazu greife die Geschäftsführung zu rechtsmissbräuchlichen und unsozialen Mitteln.

    Bereits Ende des Jahres 2019 wurden die Verträge von 69 befristet Beschäftigten nicht verlängert. „Noch bevor die Kolleginnen und Kollegen die Flughafen Köln/Bonn GmbH verlassen haben, hat der Arbeitgeber 110 Stellen mit derselben Tätigkeit neu ausgeschrieben“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Sven Kühn. „Das ist Rechtsmissbrauch!“ ver.di hat über 40 Beschäftigten Rechtsschutz gewährt. Die ersten Termine beim Arbeitsgericht Köln sind für den 7. Februar 2020 terminiert.

    Neben dem fragwürdigen Umgang mit den befristet Beschäftigten drehe Geschäftsführer Schrank weiter an der Eskalationsschraube. In den laufenden Tarifverhandlungen erklärte er, dass nicht genügend Personal vorhanden sei, um den Sommerflugplan (SFP) zu bedienen. Anstatt Personal einzustellen, um die bestehenden Abfertigungsverträge zu erfüllen, habe die Geschäftsführung erklärt, Verträge zu überprüfen und aktiv Personal abzubauen. „Dieses Verhalten ist nicht nachvollziehbar, wirtschaftlich bedenklich und bereitet betriebsbedingte Kündigungen vor“ mahnte der Betriebsratsvorsitzende, Sven
    Schwarzbach. „Die Gesellschafter, insbesondere die Stadt Köln, müssen die Geschäftsführung in die Schranken weisen und die massenhafte Gefährdung der Arbeitsplätze stoppen“, ergänzte ver.di-Verhandlungsführer Kühn.

    Aus Sicht von ver.di verlasse die Geschäftsführung damit den seit 2004 geltenden Konsens - bekannt als „Kölner Weg“. Dieser beinhalte, dass die Beschäftigten auf ca. 10 Prozent ihres Lohns verzichten und als Gegenleistung Arbeitsplatzsicherheit erhalten. Geregelt ist dies in einem Zusatztarifvertrag zum TVöD. „Mit den Handlungen der Geschäftsführung unter Duldung des Aufsichtsrats mit seinem Vorsitzenden Merz verlässt das Unternehmen den gemeinsamen Weg. Wir werden unserer Tarifkommission die Kündigung des Tarifvertrages vorschlagen“, erklärte Kühn. „Der Sinn des Lohnverzichts ist, dass die Beschäftigten sichere Arbeitsplätze haben. Das ist nicht mehr gegeben.“ Im Falle der Kündigung würden ca. 120 Beschäftigte automatisch in den TVöD überführt. Der Lohnverzicht wäre beendet.

    ver.di hat dem Flughafen am 30. Januar 2020 ein erneutes Angebot gemacht. Hierin ist wieder ein Lohnverzicht von ca. 15 Prozent für Neueinstellungen sowie eine Beschäftigungssicherungsvereinbarung enthalten. Darüber hinaus könnten alle Beschäftigten am Flughafen im Jahr 2020 zusätzlich auf drei Prozent ihres Jahresgehalts verzichten. Für die Verhandlungen um den bundesweiten Branchentarifvertrag für die Bodenverkehrsdienste sowie für die anstehenden Wahlen in Kommunen, Bund und Land ist eine Verhandlungspause mehr als sinnvoll. „Dieses Angebot ist für alle Beteiligten als Atempause gedacht.
    Darüber hinaus gibt sie den Betriebsparteien die Möglichkeit in Ruhe zu überlegen wie es mit dem BVD am Köln-Bonner Flughafen weitergehen kann“, so Kühn abschließend.