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    Nachts im Krankenhaus

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    Nachts im Krankenhaus

    ver.di beleuchtet die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern in NRW

    Die Gewerkschaft ver.di hat bundesweit an  237 ausgewählten Krankenhäusern einen Nachtdienstcheck durchgeführt, um sich ein Bild von der Arbeitssituation im Nachtdienst zu machen.  In Nordrhein-Westfalen waren es 37 Kliniken, die aufgesucht wurden. Auch im ver.di Bezirk NRW-Süd wurde bei vier Kliniken (Helios-Klinik Siegburg, LVR-Klinik Bonn, Uniklinik Bonn, St. Antonius Krankenhaus Schleiden) genauer hingeschaut. „Das bundesweite Ergebnis spiegelt sich auch in unserer Region wieder“, betonen Arno Appelhoff und Andreas Reisch, Gewerkschaftssekretäre bei ver.di, die die nächtliche Befragung mit ehrenamtlichen Aktiven durchgeführt haben. „Es handelt sich um ein bundesweites Ergebnis, das sich überall im Kern wiederspiegelt. Die Beschäftigten arbeiten im Gesundheitswesen am Limit der Erschöpfung, auch nachts.“

    „Wir wollen kein einzelnes Haus an den Pranger stellen, sondern auf ein systemisches Problem aufmerksam machen“, stellt Arno Appelhoff klar. „Es gibt in den Krankenhäusern keine gesetzliche Personalbemessung, auch keine Mindestbesetzung in der Nacht.“

    Die Beschäftigten in Krankenhäusern beschreiben den Personalmangel und die prekäre Arbeitssituation, die teilweise gefährlich für die Patienten wird anschaulich. In deutschen Krankenhäusern fehlen zurzeit 162.000 Stellen für Pflegekräfte und andere Beschäftigtengruppen – auch nachts.

    Nachts ist die Personaldecke sogar besonders dünn. In der Regel ist auf einer Normalstation nur eine Pflegekraft anwesend. Je nach Größe der Station betreut diese Pflegekraft bis zu 25 Patienten alleine. Für Intensivstationen empfehlen die Fachgesellschaften, dass zwei Patienten von einer Pflegekraft betreut werden. Das ist tagsüber schon oft nicht gewährleistet, nachts sind es bis zu vier Intensiv-Patienten, die von einer Fachkraft alleine betreut werden.

    ver.di erkundigte sich bei ihren Mitgliedern nach der Häufigkeit, mit der erforderliche Tätigkeiten unterlassen wurden, nach gefährlichen Situationen im Nachtdienst in den letzten vier Wochen und danach, wie oft die Händedesinfektion aufgrund der Engpasssituation unterbleibt und ob eine ungestörte Pause möglich war.

    Es ist auffällig, dass im Nachtdienst eine ungestörte Pause meistens nicht möglich ist. Dennoch wird diese oftmals nicht bezahlt und nur formal im Dienstplan aufgeschrieben

    Diese bundesweiten Ergebnisse decken sich weitgehend mit den Angaben der Befragten in den Krankenhäusern vor Ort.

    „Schon im Routinebetrieb ist es nachts kaum möglich, allen Patienten gerecht zu werden. Wenn dann noch Patientenaufnahmen, unruhige Patienten, Patienten in kritischem Zustand oder Notfallsituationen hinzukommen, ist die Arbeit für eine einzelne Pflegekraft oft nicht mehr zu schaffen“, hält Arno Appelhoff weiterhin fest.

     „Menschen leisten die Hauptarbeit im Krankenhaus, keine Maschinen, sie drohen gesundheitlich auf der Strecke zu bleiben“, führt ver.di weiterhin aus.

    Hier liegt die Qualität der Versorgung im Argen. Weder mehr Wettbewerb noch mehr Kontrollen werden hieran etwas verändern. Das ist nur mit mehr Personal zu verbessern. Das derzeit von der Bund-Länder-Kommission in Aussicht gestellte Pflegeförderprogramm bringt eine Pflegekraft mehr pro Klinik. Damit ist das Problem nicht zu lösen.

    „Wir brauchen eine gesetzliche Personalbemessung, die nachts und tagsüber, jeder Zeit,  eine Mindeststandard an Versorgung und Qualität sicherstellt“, fasst Arno Appelhoff abschließend zusammen.

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