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Erinnern - Eine Brücke in die Zukunft

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Erinnern - Eine Brücke in die Zukunft

Erinnern - Eine Brücke in die Zukunft Veranstalter Erinnern - Eine Brücke in die Zukunft  – Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2020


Erinnern - Eine Brücke in die Zukunft

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus
am 27.01.2020, 18.00 Uhr
Antoniterkirche, Schildergasse

  • Grußwort
    Oberbürgermeisterin Henriette Reker

  • Sprecher*innen
    Maria Ammann
    Markus Andreas Klauk
    Doris Plenert

  • Musik
    Martina Neschen
    Chor bewegt

Projektgruppe Gedenktag

  • Mahngang ca. 19.30 Uhr
    zur Stele für Freya von Moltke auf dem Bahnhofsvorplatz

Am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz gedenken wir der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. In diesem Jahr legen wir einen Schwerpunkt auf das Wirken und die Schicksale von Frauen während dieser Zeit.

Nachdem in der Novemberrevolution von 1918/1919 das Frauenwahlrecht errungen war, haben sich in der Weimarer Republik Frauen persönliche Freiheiten verschafft und waren als Pazifistinnen und Gegnerinnen des aufkommenden Nationalsozialismus aktiv. Aber die NS-Diktatur setzte ein rückschrittliches Frauenbild durch, minderte Bildungsmöglichkeiten und politische Mitwirkung.

Ab November 1933 war der Kölner Stadtrat frauenfrei. Schon 1921 hatte die NSDAP auf ihrer ersten Mitgliederversammlung beschlossen, Frauen keine führenden politischen Ämter zu überlassen.

Die meisten Vereinigungen aus dem Stadtverband Kölner Frauenvereine wurden zwischen März bis Mai 1933 abgewickelt. Allein in der NS-Frauenschaft, im Deutschen Frauenwerk und im Bund deutscher Mädchen war eine weibliche Mitgliedschaft er wünscht.

Hitler bezeichnete Emanzipation als ein vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort – oder wahlweise als marxistischen Geistes. Die einzige Funktion der „gesunden, arischen Frau“ war die Mutterschaft.

Um den Männerstaat zu stärken, wurden Frauen schon 1933 auf verschiedenen Positionen durch Männer ersetzt und aus ganzen Berufszweigen aus geschlossen z.B. als Richterinnen.

Im Gesetz gegen die Überfüllung der Schulen und Hochschulen wurde die Zahl der Neuimmatrikulationen von Frauen auf eine Quote von 10% Studentinnen festgelegt, die Anzahl der Mädchengym nasien reduziert.

Tätigkeiten als Hausfrau und Mutter wurden belohnt und Anreize dafür geschaffen: das Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit, besser bekannt als Ehestandsdarlehen, bot einen wirtschaftsfördernden
zinslosen Kredit von 10 000 Reichsmark für „junge erbgesunde arische Paare“. Dieser musste nicht zurückgezahlt werden, wenn die Frau bereit war, den Arbeitsplatz aufzugeben und viermal Mutter zu wer den.

Die große Mehrheit der deutschen Frauen, egal ob alt oder jung, erlag dennoch in kürzester Zeit den Einflüssen der nationalsozialistischen Ideologie. Ihre Haltung reichte von stiller Billigung über loyale Gefolgschaft bis hin zu regelrechtem Hitlerkult.

Auch in den Kriegsjahren trugen Frauen durch ihren Einsatz an der „Heimatfront“ oder „im Feld“ dazu bei, den NS-Staat und seinen Terrorapparat funktionsfähig zu halten. Nur wenige lehnten das Regime
offen ab, noch weniger leisteten Widerstand.

Wir stellen die kommunistische Arbeiterin und Widerstandskämpferin Gertrud Hamacher vor, die im Juni 1933 verhaftet wurde und im Klingelpütz einsaß. Ab 1934 ging sie in die Illegalität und bald ins Ausland, von wo sie Flugblätter und Schriften gegen die Nazis nach Deutschland schmuggelte.

Die in Köln geborene Herta Oberheuser war eine grausame KZ-Ärztin. 1947 wurde sie als einzige Frau bei den Nürnberger Ärzteprozessen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen sie nur wenige Jahre verbüßte, bevor sie eine Praxis eröffnen konnte. Erst 1960 wurde ihr nach Protesten der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Ravensbrücke rinnen die Approbation entzogen.

Die Kölner Jüdin Renée Duering wurde 1943 gemeinsam mit ihrem Mann nach Auschwitz deportiert, der dort ermordet wurde. Sie wurde dort gynäkologischen Experimenten unterzogen. Es gelang ihr zu fliehen und sie überlebte. An ihrem Beispiel gedenken wir am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz aller das KZ überlebenden Kölnerinnen und Kölner.

Rechte Bewegungen verbreiten ein biologistisches Weltbild und vereinnahmen auch heute die Gebärfähigkeit der Frau für ihre rassistischen Ziele. Der Täter von Halle schreibt in seinem Manifest, der Feminismus führe zu weniger Geburten und deshalb zu Masseneinwanderung. Die Menschenrechte und das Grundgesetz gelten für alle Menschen, deshalb unterstützt und ermutigt eine demokratische Gesellschaft Frauen in ihrem Bestreben nach Freiheit und Selbstbestimmung. Wir erinnern an den Schwur der überlebenden Männer und Frauen des KZ Buchenwald von 1945: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“