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DGB-Ausbildungsreport 2018

Ausbildung

DGB-Ausbildungsreport 2018

DGB-Ausbildungsreport 2018 ver.di DGB-Ausbildungsreport 2018

Vorwort

Die Arbeitswelt wandelt sich ständig, zunehmend kommt digitale Arbeit zum Einsatz. Diese Veränderungen müssen sich auch in der beruflichen Ausbildung widerspiegeln. Denn nur eine moderne Ausbildung kann Preview auf die Arbeitswelt von morgen sein und ein Garant für den erfolgreichen Einstieg junger Menschen in das Berufsleben. Damit das duale System der Berufsausbildung auch in der Zukunft erfolgreich bleibt, sind jetzt klare Weichenstellungen in Richtung einer guten Ausbildung – einer Ausbildung 4.0 – nötig. Die Gewerkschaftsjugend begleitet diesen Transformationsprozess im Sinne der Auszubildenden und hat deshalb Forderungen formuliert: für eine zukunftsorientiere und moderne Ausbildung.

Klar ist, dass auch mit fortschreitender Digitalisierung der Mensch und damit eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Zentrum der Arbeitswelt von morgen stehen müssen. Eine moderne Berufsausbildung muss auch zukünftig ganzheitliche berufliche Handlungskompetenz vermitteln. Hierzu gehört die Förderung einer eigenständigen und selbstbewussten Persönlichkeitsentwicklung, die Befähigung zur kritischen Reflexion sowie eine mitbestimmte Arbeits- und Technikgestaltung.

In der dualen Ausbildung bedarf es auch und gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung in der Arbeitswelt einer Qualitätsoffensive. Dazu zählt Qualitätssicherung auf gesetzlicher Basis durch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes genauso wie die Qualitätsentwicklung für Ausbildungsbetriebe selbst. Neben den Betrieben stehen aber auch die Berufsschulen in der Verantwortung. Es ist Aufgabe des Staates, diese zu unterstützen und den enormen Finanzierungsstau abzubauen. Massive Investitionen in die Qualität und Modernisierung der Berufsschulen sind überfällig.

Im Schwerpunkt: Arbeitszeit in der Ausbildung

Dass es in einigen Branchen nach wie vor gravierende Qualitätsmängel in der Ausbildung gibt, zeigt der aktuelle Ausbildungsreport. Auch in 2018 liefert der Report mit 14.959 von der DGB-Jugend schriftlich befragten Auszubildenden eine fundierte Datengrundlage zur Qualität der Ausbildung in der Bundesrepublik Deutschland. Befragt wurden Jugendliche in den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 am häufigsten frequentierten Ausbildungsberufen.

Der diesjährige Themenschwerpunkt zur Arbeitszeit in der Ausbildung zeigt: Flexibilisierungsdruck, ständige Erreichbarkeit und regelmäßige Schichtarbeit sind für viele Auszubildende leider alltäglich.

Dies führt zu erheblichen Belastungen. Dort wo der Druck auf Auszubildende am stärksten ist, sind auch die Abbruchquoten in der Ausbildung am höchsten. Dem entgegen, stehen die Bedürfnisse der jungen Menschen, wie sie schon die Shell Jugendstudie festgestellt hat: Junge Menschen wollen planbare und verlässliche Rahmenbedingungen, die ihnen die Vereinbarkeit zwischen Berufs- und Privatleben ermöglichen. Unattraktive Ausbildungsbedingungen und unzureichende Ausbildungsqualität sorgen in vielen Fällen dafür, dass Auszubildende ihre Ausbildung abbrechen. Wer solch widrige Ausbildungsbedingungen bietet, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie keine Auszubildenden findet. Der so oft beklagte Fachkräftemangel ist eben vielfach hausgemacht durch die Arbeitgeber selbst.

Gerade beim Thema Arbeitszeit in der Ausbildung liegt einiges im Argen. Bei jedem zweiten Auszubildenden in Schichtarbeit werden die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht eingehalten. Über die Hälfte aller Auszubildenden müssen in ihrer Freizeit mobil für den_die Ausbilder_in erreichbar sein. Diese »Erreichbarkeit« wird bei 60 Prozent der Betroffenen nicht auf die Ausbildungszeit angerechnet. Auf der anderen Seite erwartet ein Großteil der Ausbildungsbetriebe, dass die Auszubildenden angefallene »Minusstunden« zu anderen Zeiten nacharbeiten, obwohl das im Berufsbildungsgesetz nicht vorgesehen ist. Insbesondere Großbetriebe stechen hier negativ hervor. Das Nacharbeiten von »Minusstunden« ist offenbar die Regel geworden. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt hier jedoch eindeutig, dass Auszubildenden auch dann eine Vergütung zu zahlen ist, wenn die Berufsausbildung ausfällt. Auszubildende dürfen nicht als Sündenbock für eine schlechte Organisation herhalten. Eine ausreichend gute Planung der Ausbildungszeiten durch den_die Ausbilder_in gehört daher ebenfalls zu einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und muss von den Betrieben gewährleistet werden.

Eine moderne Ausbildung braucht eine moderne Gesetzesgrundlage

Das Berufsbildungsgesetz ist das maßgebliche Gesetz für die duale berufliche Ausbildung in Deutschland. Die letzte größere Novellierung dieses Gesetzes fand im Jahr 2005 statt, für die Gewerkschaften zentrale Themen wurden damals nicht berücksichtigt. Im aktuellen Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung nun endlich die Novellierung des BBiG – nach jahrelangem Druck aus den Gewerkschaften – vereinbart. Damit gibt es nun die Chance, das BBiG in ein echtes Schutzgesetz zu verwandeln, das eine moderne Ausbildung gewährleistet. Dafür muss eine BBiG-Novellierung:

  • Gute Ausbildungsqualität sicherstellen
    Überstunden sind in einem Ausbildungsverhältnis nicht notwendig. Ausbildungszeiten, die über die vereinbarte regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit hinausgehen, müssen im BBiG einem Verbot unterliegen. Wochenendarbeit für Auszubildende darf nur zulässig sein, wenn die Ausbildungsinhalte nicht unter der Woche vermittelt werden können, dies gilt ebenso für Schichtdienste. Teilschichtdienste für Auszubildende gehören vollständig abgeschafft, die Freistellung für Berufsschulen muss für alle Auszubildenden unabhängig vom Alter gelten.

  • Rechtsicherheit für alle Berufe schaffen
    Um einen gleichen Qualitätsstandard für alle Berufe sicherzustellen und für die Auszubildenden Rechtssicherheit zu schaffen, ist eine Ausweitung des Geltungsbereichs des BBiG notwendig. Denn zahlreiche berufliche Ausbildungsgänge und vergleichbare neue Ausbildungsstrukturen, wie die Praxisphasen des dualen Studiums, sind nicht nach dem BBiG geregelt. Das BBiG muss hierfür zu einem einheitlichen Ausbildungsgesetz umgebaut werden.

  • Chancengleichheit beim Zugang zu Ausbildung gewährleisten
    Eine duale Ausbildung darf nicht an finanziellen Hürden scheitern. Alle Kosten, die im Zusammenhang mit der Ausbildung entstehen, müssen an allen Lernorten – im Betrieb, an der Berufsschule und der Hochschule - durch den Ausbildungsbetrieb oder den Ausbildungsträger getragen werden. Wir fordern die Verankerung einer absoluten Kostenfreiheit im BBiG.

  • Teilhabe ermöglichen – Mindestausbildungsvergütung einführen!
    Wir fordern eine Ausbildungsvergütung die Auszubildenden ein eigenständiges Leben und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in allen seinen Facetten ermöglicht. Dies ist notwendig, damit das Ausbildungssystem weiterhin ein Erfolgsmodell bleiben kann und junge Menschen sich für eine duale Ausbildung entscheiden.

Fest steht: Die Arbeitswelt von morgen braucht gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte. Dies ist nur mit einer qualitativ hochwertigen und modern aufgestellten Berufsausbildung möglich. Wie der Ausbildungsreport zeigt, gibt es dafür noch einiges zu tun. Um die Ausbildungsbedingungen für Auszubildende und dual Studierende tatsächlich zu verbessern, müssen die gesetzlichen Grundlagen in ihrem Sinne optimiert werden. Die Bundesregierung hat es in der Hand!

Elke Hannack
Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Manuela Conte
Bundesjugendsekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes