Selbstständige

    AustauschBar Online: Corona und die Steuererklärung

    Corona-Abschreibungen und staatliche Hilfen

    AustauschBar Online: Corona und die Steuererklärung

    Dieses Corona-Jahr 2020 hat viele von uns an den Rand ihrer Existenz gebracht. Schon am Beginn der Pandemie haben wir gefordert, dass es für Solo-Selbstständige eine unbürokratische Hilfe geben muss, die sich am durchschnittlichen Vorjahreseinkommen orientiert, damit die Betroffenen ihre Existenz sichern können. Denn mit der Grundsicherung, aka Arbeitslosengeld II oder Hartz IV, gelingt das nicht, schon gar nicht, wenn man oder frau eine Familie versorgen muss.

    Im Dschungel der Hilfen

    Doch egal wie die Hilfen nun heißen, ob Soforthilfe, Überbrückungshilfe I-II oder Novemberhilfe, sie waren weder unbürokratisch, noch war es für alle Betroffenen möglich, diese Hilfen zu beantragen. Anfangs hieß es noch, dass davon die Lebenshaltungskosten nicht beglichen werden dürfen. In NRW hat die Landesregierung dann Mitte des Jahres 2000 Euro aus der Soforthilfe für Lebenshaltungskosten zugestanden. Doch jetzt haben die Empfänger*innen Post bekommen: Zwar ist Zeit bis Herbst 2021 die Soforthilfe abzurechnen, wer aber den steuerlichen Gewinn im laufenden Jahr durch (teilweise) Rückzahlungen reduzieren will, muss bis zum 31.12.20 abrechnen und eine Teilrückzahlung leisten. Ob ihr Lebenshaltungskosten anrechnen könnt, hängt davon ab, ob ihr im März oder April beantragt hattet, ob ihr Grundsicherung oder das Sofortprogramm für Künstler*innen erhalten habt.

    Bei der Überbrückungshilfe II bleibt zusätzlich (wie schon bei der Ü I) als weitere Hürde erhalten: Diese kann nur mit Steuerberater*innen bis 31.01.2021 beantragt werden. Viel Misstrauen hinsichtlich der Erschleichung von Leistungen schlägt uns entgegen, obwohl wir, bis die Coronavirus-Pandemie für manche teilweise bis zu einem völligen Arbeitsverbot geführt hat, unser Einkommen ordnungsgemäß versteuert und die staatlichen Kassen mit aufgefüllt haben.

    Anders wird bei der Novemberhilfe jetzt – allerdings nur bei direkter oder indirekter Betroffenheit durch Schließungen - der Netto-Umsatz des Vorjahresmonats herangezogen. 75 Prozent davon werden als Hilfe ausgezahlt. Weil der Umsatz bei Solo-Selbstständigen stark schwanken kann, darf der Novemberumsatz mit dem durchschnittlichen Umsatz des gesamten Jahres 2019 verglichen werden. Aber noch immer ist das eine Hilfe, die nur wenige erreicht, um durch die Krise zu kommen, auch wenn sie bis Dezember verlängert wird. Ebenso wenig können alle Betroffenen Hartz IV beantragen – zum Beispiel, wenn sie in einer Partnerschaft mit "zu viel Verdienenden" leben. Ausführliche Informationen dazu findet ihr immer in den FAQ der ver.di-Selbstständigen.

    Neustart mit angezogener Handbremse

    Bleibt noch die "Neustarthilfe" von Dezember bis Juni 2021. Damit wird eine Betriebskostenpauschale bis zu 5000 Euro für den gesamten Zeitraum gezahlt. Diese muss nicht zurückgezahlt werden. Eine Endabrechnung überzahlter Zuschüsse erfolgt in Selbstkontrolle. Ob und wie viel Neustarthilfe ihr bekommen würdet, könnt ihr euch mit dem Excel-Rechner für die Neustarthilfe des ver.di-Selbstständigen Referats ausrechnen.

    Am Ende des Jahres können wir nur sagen: Wir hätten uns vieles anders gewünscht. Und die Aussichten für 2021 stimmen nicht gerade fröhlich. Wir wollen hier aber nicht ins Jammern verfallen, sondern diese Krise und die Bundestagswahl 2021 zum Anlass nehmen, die Forderungen der Solo-Selbstständigen in der politischen Diskussion weiter nach vorne zu bringen: Öffnung der sozialen Sicherungssysteme für Solo-Selbstständige. Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung müssen für alle gleichermaßen zugänglich und bezahlbar sein. Eine Erwerbstätigenversicherung würde dann auch im Fall einer Corona-Krise greifen. Wir wollen eine gerechtere Verteilung von Lasten und dass jegliche Arbeit wertgeschätzt wird, weil wir einen wichtigen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten.

    Darüber und über Fragen, wie wir eigentlich 2021 vernünftig unsere Steuererklärung machen können, wollen wir bei unserer AustauschBar Online diskutieren.

    Save the Date zur AustauschBar Online: 23. Februar 2021, um 19 Uhr

    Referent: Edmund Lennartz, ver.di-Steuerexperte

    Wer teilnehmen möchte, schreibt bitte an: petra.huber@verdi.de

    Gerade ist sehr viel im Fluss bei den steuerlichen Regelungen von staatlichen Hilfen, deshalb lassen sich die Konsequenzen auf die Steuererklärung noch nicht absehen. Grund für uns, die AustauschBar Online vom 19. Januar auf den 23. Februar zu verschieben.

    Eure Kommission der Selbstständigen im Bezirk Köln-Bonn-Leverkusen

    Merle Bode, Ellen Brombach, Brigitte Maser, Torsten Maurer, Joachim Mohr, Paulo dos Santos, Ludger Schneider, Ina Stock und Kathy Ziegler

    Weitere Infos:

    Wenn ihr Beratung braucht, könnt ihr euch an selbststaendigen.info wenden, das Beratungsnetz für Solo-Selbstständige in ver.di. Erste Fragen und Antworten findet ihr bei den FAQ der ver.di-Selbstständigen. Aktuelle Informationen findet ihr auf Facebook bei den ver.di-Selbstständigen und bei den Solo-Selbstständigen des Bezirks. Wer direkt zur Grundsicherung eine Frage hat, kann sich in der Infobroschüre der ver.di-Selbstständigen informieren und sich auch an die Service-Hotline Selbstständige der Kölner Arbeitsagentur von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr unter 0800 4 5555 21 kostenfrei wenden.