Fachbereich A: Medien, Kunst und Industrie

    ROTE LINIE ÜBERSCHRITTEN

    Betriebsbedingte Kündigungen

    ROTE LINIE ÜBERSCHRITTEN

    Betriebsbedingte Kündigungen bei DuMont Schauberg in Köln ausgesprochen
    DuMont, Verlage, Tageszeitung, Betriebsbedingte Kündigungen, Arbeit, ver.di

     

    In einer überraschend anberaumten Videokonferenz sind die Redakteur:innen von Kölner Stadt-Anzeiger und Express darüber informiert worden, dass alle festangestellten Fotograf:innen zum 30.06.2022 gekündigt werden. Das Kölner Unternehmen DuMont Schauberg, das neuerdings unter dem Namen „Kölner Stadt-Anzeiger Medien“ firmiert, hat entschieden, ab dem 1. Juli kommenden Jahres das Bildmaterial bei freien Fotograf:innen oder Fotoagenturen einzukaufen. Zudem ist die Erwartungshaltung der Geschäftsführung um CEO Thomas Schultz-Homberg, dass die Redakteur:innen  immer mehr Bildmaterial selbst mit ihren Mobiltelefonen erstellen – und die Arbeit der professionellen Fotografen ersetzen.

    „Fotos und Videos gehören zum Kern journalistischer Berichterstattung, gerade auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung. Mit den betriebsbedingten Kündigungen in diesem Bereich hat das Unternehmen eine rote Linie überschritten“, erklärt Stephan Somberg, ver.di Gewerkschaftssekretär. Und weiter: „Die Kollegen:innen sind teils seit 30 Jahre bei DuMont beschäftigt. Es gibt klügere Wege mit langjährig Beschäftigten umzugehen, als sie betriebsbedingt zu kündigen.“ Dies habe das Unternehmen in der Vergangenheit auch mehrfach bewiesen.

    Im vorliegenden Fall habe das Unternehmen aber offenbar kein Interesse an einer sozialverträglichen Lösung.  Zwei der betroffenen Kolleg:innen haben sich in Verfahren vor dem Arbeitsgericht erfolgreich eingeklagt, nachdem sie zuvor viele Jahre als Scheinselbstständige beschäftigt worden waren. „Anstatt die Gerichtsurteile und geltendes Recht zu akzeptieren, greift das Unternehmen nun zum letzten Mittel, um die Kolleg:innen doch noch loszuwerden, und kündigt nun allen Fotografinnen und Fotografen. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf“, kritisiert Somberg und weist darauf hin: „ver.di-Mitglieder erhalten im Fall der Fälle rechtliche Unterstützung.“