Medien, Kunst und Industrie

    Kollegen*innen kämpfen für Tarifschutz

    Druckindustrie

    Kollegen*innen kämpfen für Tarifschutz

    MDS, Druckzentrum, Köln, Wanstreik, tarifvertrag, Druck, Medien J. Schön

    Schon seit Oktober des Vorjahres kämpfen die Beschäftigten der Druckindustrie für 5 Prozent mehr Lohn. Auch in Köln – am Mittwoch standen sie schon zum 8. Mal vor den Toren des Druckzentrums des Medienhauses DuMont-Schauberg an der Friedrich-Karl-Straße in Niehl. Aufgerufen zu dieser Arbeitskampfmaßnahme hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die Leser von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" erfahren von diesen Warnstreiks buchstäblich nur am Rande. Am Morgen nach dem Streik finden sie regelmäßig auf der Titelseite den Hinweis: „Lieben Leserinnen und Leser, die Tarifauseinandersetzungen in der Druckindustrie haben gestern die Produktion der Zeitung erheblich beeinträchtigt.“ Je nach Umfang des Warnstreiks – von drei Stunden bis mehrere Schichten – betrifft dies meistens die Bezirksausgaben des "Stadt-Anzeigers". Und so können die Kölner manchmal auch lesen, was etwa in Euskirchen passierte.

    Kaum Informationen über Arbeitskampf in der eigenen Branche
    Mehr Informationen gibt es kaum – anders als bei Tarifauseinandersetzungen etwa in der Metallindustrie oder im öffentlichen Dienst. Anders als in früheren Jahren hat es auch die zuständige Gewerkschaft ver.di selbst bei hohem Organisationsgrad schwerer, Druck auszuüben: Die Zeitungsproduktion ist größtenteils automatisiert worden, die Beschäftigtenzahl ist geringer geworden. Auch das Kölner Druckzentrum ist, wie viele Verlagsteile im Hause Neven DuMont, seit Jahren eine eigenständige GmbH.

    Worum geht es im aktuellen Konflikt? Im vorigen Herbst kündigte der Bundesverband Druck & Medien den Manteltarifvertrag, ver.di den Lohntarifvertrag. In mehreren Verhandlungsrunden kam man sich auf Bundesebene nicht näher. Ein kompromissfähiges Angebot im Tarifstreit machte die Arbeitgeberseite bislang nicht.

    Arbeitgeber wollen geltenden Manteltarifvertrag aufweichen
    Wohl bot sie an, den Manteltarifvertrag (MTV) für Beschäftigte beizubehalten, wenn dann für Neuanstellungen ein „niedrigerer“ Manteltarifvertrag vereinbart würde – etwa mehr Arbeitsstunden, weniger Urlaub oder geringere Zuschläge für Schichtarbeit. Im Klartext bedeutet das eine Aufweichung des geltenden Manteltarifvertrags, verquickt mit der Tarifrund für Lohn und Gehalt.

    Ein Vorhaben, dass die Gewerkschaft aus gutem Grund wegen schlechter Erfahrungen ablehnt. Denn das Versprechen der Besitzstandswahrung für schon Beschäftigte Mitarbeiter lässt sich leicht aushebeln: Man gründet die Firma neu und bietet den ehemaligen Beschäftigten an, sich dort zu bewerben – das wäre dann aber eine Neu-Einstellung zu schlechteren Bedingungen. Das ver.di-Angebot auf regionaler Ebene – in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen – weiter zu verhandeln, wurde Ende Januar abgelehnt. Mit weiteren Kampfmaßnahmen ist zu rechnen.


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