Handel

    Arbeitgeber mauern!

    Tarifrunden Handel NRW 2021

    Arbeitgeber mauern!

    Tarifrunde Groß- und Außenhandel NRW - Auch die 4. Verhandlungsrunde ergebnislos beendet
    Ohne uns kein Geschäft ver.di Ohne uns kein Geschäft  – Tarifrunden Handel 2021



    Die Tarifverhandlungen für die rund 291.000 sozialversicherungspflichtig und 45.000 geringfügig Beschäftigten des Groß- und Außenhandels sind am Freitag (10.9.) in Düsseldorf auch in vierter Runde ergebnislos geblieben. Nachdem der letzte Verhandlungstermin am 9. Juli 2021 von den Arbeitgebern kurzfristig abgesagt und nur eine Verbandsempfehlung ausgesprochen wurde, die Entgelte zum Dezember um 2 Prozent zu erhöhen, wurde heute kein verbessertes Angebot vorgelegt. Noch am gestrigen Donnerstag hatten in Dortmund 2000 Beschäftigte der Branche gemeinsam mit den Beschäftigten des Einzelhandels ihren Protest gegenüber der Haltung der Arbeitgeber zum Ausdruck gebracht.

    „Uns macht fassungslos, dass die Arbeitgeber sich trauen, ohne ein verbessertes Angebot zu den heutigen Verhandlungen zu erscheinen“, erklärt ver.di Verhandlungsführerin Silke Zimmer. Die Umsätze sind im ersten Halbjahr 2021 um 7,8 Prozent, real um 3,3 Prozent, gestiegen, dennoch bleibe es beim Anfangsangebot der Arbeitgeber vom Mai. Dieses sieht im Jahr 2021 keine tarifliche Erhöhung für die Beschäftigten vor. „Statt einseitig Verbandsempfehlungen auszusprechen, sollten die Arbeitgeber Angebote am Verhandlungstisch machen. Dieses Verhalten ist respektlos gegenüber der Leistung der Beschäftigten und absolut inakzeptabel!“

    Das bisherige Arbeitgeberangebot sieht für 2021 keine tabellenwirksame Entgelterhöhung vor, lediglich für wirtschaftlich gesunde Unternehmen eine Einmalzahlung von 150 Euro im Juli 2021. Im Januar 2022 sollen alle Beschäftigten 150 Euro Einmalzahlung (Corona-Prämie) erhalten. Erst ab Juli 2022 soll laut Arbeitgeberangebot eine prozentuale Erhöhung von 1,5 Prozent vereinbart werden. Unternehmen, die im Zeitraum von Januar 2021 bis Juni 2022 für mindestens drei Monate Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen oder sonstige staatliche Unterstützungsleistungen erhalten haben, können die prozentuale Entgelterhöhung sogar um 6 Monate bis spätestens 1. Januar 2023 aufschieben.

    In einer Branche, die mit mehr als 1,3 Billionen Euro Umsatz der heimliche Riese der deutschen Wirtschaft ist, müsse den Beschäftigten mehr Respekt und Wertschätzung entgegengebracht werden, die sich durch einen fairen Abschluss bemerkbar machen. „Die Beschäftigten sind außer sich. Nach allen Herausforderungen, denen sie sich unter dem Einsatz ihrer Gesundheit im letzten Jahr ohne Wehklagen gestellt haben, um beispielsweise Waren in Geschäfte oder Impfstoff in Apotheken zu liefern, ist die Ignoranz der Arbeitgeber ein Schlag ins Gesicht“, so Zimmer weiter. „Auf dieses respektlose Verhalten der Arbeitgeber haben die Beschäftigten nur eine Antwort: den Druck erhöhen und die Streiks ausweiten. Die Blockadehaltung der Arbeitgeber zwingt uns dazu!“

    Es müsse jetzt dringend und zeitnah ein Umdenken auf Seiten der Arbeitgeber stattfinden. Streiks bis ins Weihnachtsgeschäft könnten aus Sicht der Gewerkschaft für keine Seite von Interesse sein. „Wir mahnen die Arbeitgeberseite eindringlich, sich auf ihre soziale Verantwortung zu besinnen, und mit uns zu einem fairen Abschluss zu kommen. Dieser Konflikt dauert schon viel zu lange an. Die Arbeitgeber haben es in der Hand, ihn vernünftig und im Sinne der Beschäftigten zu beenden“, so Zimmer abschließend.

    Die Verhandlungen werden am 11. Oktober fortgesetzt.

    ver.di fordert für die rund 336.000 Beschäftigten im Groß- und Außenhandel NRW 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Gehalt, Lohn und Ausbildungsvergütung, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Außerdem fordert die Gewerkschaft von den Arbeitgebern die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge.