Handel

    Weitere Warnstreiks im Einzelhandel

    Tarifrunden Handel NRW 2021

    Weitere Warnstreiks im Einzelhandel

    ver.di setzt die Warnstreikaktionen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel fort. Am 23.07.2021 legen Beschäftigte der Textileinzelhandelskette H&M in Aachen, Bonn und Köln ihre Arbeit nieder.
    Ohne uns kein Geschäft ver.di Ohne uns kein Geschäft  – Tarifrunden Handel 2021


    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hatte in der 4. Verhandlungsrunde einen Vorschlag zur Lösung der stockenden Tarifrunde unterbreitet.

    „Wir hatten zum Zeitpunkt der vierten Verhandlungsrunde die Hoffnung, dass die Arbeitgeber den Ernst der Lage mittlerweile verstanden haben, denn die Beschäftigten verzichten inzwischen im 3. Monat auf die so dringend benötigte Entgelterhöhung. Anstatt jedoch mit uns den Weg in Richtung Abschluss zu gehen, wurden fadenscheinige Argumente auf den Tisch gelegt, um einen Abschluss weiter hinauszuzögern. Die Arbeitgeber haben eine soziale Verantwortung, der sie sich endlich stellen müssen“, sagt Jana Zorn ver.di Gewerkschaftssekretärin im Handel für die Bezirke Aachen/Düren/Erft und Köln-Bonn-Leverkusen.

    Der Lösungsvorschlag von ver.di sieht vor, dass auf Wunsch der Beschäftigten, Teile einer möglichen Entgelterhöhung für einen bestimmten Zeitraum in Freizeit umgewandelt werden können. Dies würde den Beschäftigten mehr Arbeitszeitsouveränität geben und einen wesentlichen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten. Zudem bietet der Vorschlag die Möglichkeit zu der von der Arbeitgeberseite geforderten Entlastung auf Seiten der Liquidität, da sie anstelle von Entgelterhöhungen den Beschäftig-ten zunächst nur mehr Urlaubstage gewähren müssten.

    Die schlichte Antwort der Arbeitgeber auf diesen Vorschlag: Nein, das machen wir nicht! Die Leidtragenden dieser Blockadehaltung: Die Beschäftigten. Sie bleiben auf der Strecke.

    Darüber hinaus meinen die Arbeitgeber, die sich der Handlungsempfehlung des Arbeitgeberverbands angeschlossen haben - die dieser noch zwei Tage vor der Verhandlung an seine tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen herausgegeben hatte - dass eine Erhöhung von zwei Prozent zum 1. Juli 2021 (nach zwei Nullmonaten) und eine Einmalzahlung von 300 € (für Vollzeitbeschäftigte) wohl ausreiche, damit sich Beschäftigte nicht mehr für ihre Rechte einsetzen. Gerade dieser Vorschlag wurde von den Beschäftigten als absolute Frechheit empfunden, da dieses Vorgehen weder Rechtssicherheit mit sich bringt, weil es sich um eine einseitige Zusage handelt, noch einen merklichen Einfluss auf ihr Einkommen hat. Im Gegenteil: Es bedeutet für sie einen Reallohnverlust.

    „Die Antwort auf dieses Verhalten geben die Beschäftigten von H&M hier in der Region heute mit ihren Streiks, denn auch ihr Arbeitgeber sitzt mit am Verhandlungstisch. Die Kolleg*innen haben über Monate von Kurzarbeitergeld ihr Leben finanzieren müssen, der Großteil von ihnen ist teilzeitbeschäftigt und das meist nicht freiwillig. Das Verhalten der Arbeitgeber ist nicht nur arrogant, sondern völlig respektlos. Es würde ihnen gut anstehen, sich einmal daran zu erinnern, wer in ihrem Unternehmen dafür sorgt, das Geld in die Kassen fließt. Sich hinzusetzen, nicht zu verhandeln und keine konstruktiven Vorschläge einzubringen, macht die Beschäftigten teilweise fassungslos.“

    ver.di fordert für die rund 502.000 sozialversicherungspflichtig und 197.000 geringfügig Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Mona-ten, sowie die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge. Weiterhin fordert ver.di ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde.