Fachbereich B: Gemeinden

    Kita-System in NRW steht vor dem Kollaps

    Kitas NRW

    Kita-System in NRW steht vor dem Kollaps

    Ländermonitor bestätigt ver.di-Befürchtungen
    SuE-Aktionstag am 29.03.2022 in Bremen Matthias Klump Ländermonitor bestätigt ver.di-Befürchtungen: Kita-System in NRW steht vor dem Kollaps


    Unter dem Slogan „Kitas am Limit“ sind in NRW während der Tarifrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst viele Beschäftigte auf die Straße gegangen. Aus Sicht der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in NRW war schon damals klar: das Kita-System in NRW steht vor einem Kollaps. Diese Befürchtungen bestätigen die Ergebnisse des aktuellen Ländermonitors (20. Oktober 2022) Frühkindliche Bildungssysteme.

    ver.di warnt bereits seit Jahren davor, dass die politischen und rechtlichen Bemühungen um den Ausbau von Kindertageseinrichtungen, nicht mit dem dafür notwendigen Ausbau von Ausbildungskapazitäten für Fachkräfte und damit nicht mit dem notwendigen Blick für den Fachkräftebedarf einhergeht. Besonders spürbar sind daher im Alltag nunmehr die Auswirkungen durch den massiven Fachkräftemangel. Die Folgen spüren jetzt vor allem die Kinder, Eltern und insbesondere die Fachkräfte: Unbesetzte Stellen und ein hoher Krankenstand, der auch auf die hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen sei, führen zu einer permanenten Überlastung der Beschäftigten.

    Daraus resultiert ein problematischer Effekt für die Fachkräftegewinnung und -haltung. So beschreibt das Ländermonitoring für NRW:

    „Eine fatale Wechselwirkung erschwert die Gewinnung neuer Fachkräfte und auch die Bindung des vorhandenen Personals an das Berufsfeld: Zu wenig Personal verschlechtert nicht nur die Qualität der frühkindlichen Bildung für die Kinder, sondern auch die Arbeitsbedingungen für die pädagogischen Fachkräfte. Dadurch sinken die Chancen, vorhandene Mitarbeiter*innen im Beruf zu halten, was den bestehenden Personalmangel wiederum weiter verschärft.“

    Gruppengröße und Personalschlüssel müssen auf die Agenda!

    "Die wissenschaftlichen Empfehlungen zur Gruppengröße (12 Kinder bei jüngeren Kindern bzw. 18 Kinder bei älteren Kindern) werden laut dem Kita-Ländermonitoring für NRW bei 68% der KiTa-Gruppen nicht erreicht. Das betrifft insbesondere die Gruppen für Kinder im Alter von 2- bzw. 3-jährige bis zur Einschulung (94% bzw. 89%)."

    „Neben dem Personalschlüssel ist in NRW vor allem die Gruppengröße in der frühkindlichen Bildung ein zentrales Problem. Zu große Gruppen führen dazu, dass Kolleginnen und Kollegen den Anspruch auf frühkindliche Bildung und bestmögliche Forderung immer seltener in der Praxis umsetzen können. Wir fordern daher eine schnelle KIBIZ-Reform insbesondere in den zentralen Punkten Personalschlüssel und Gruppengröße. NRW darf keine Zeit verlieren, um die Bildungschancen für Kinder zu verbessern. Das kann außerdem einen Beitrag dazu leisten, Fachkräfte im Beruf zu halten und neue zu finden,“ so Andrea Becker, Landesbezirksfachbereichsleiterin NRW.

    Sofortmaßnahmen erforderlich

    "Um für 2023 eine bedarfsgerechte, d.h. dem Elternwunsch entsprechende und den wissenschaftlichen Standards entsprechende Kindertagesbetreuung sicherzustellen, fehlen nach den Berechnungen des Ländermonitors für NRW rund 65.100 Fachkräfte."

    „Schon heute fehlen in vielen Kindertagesstätten in NRW Fach- und Ergänzungskräfte. In einigen Kommunen können neu errichtete Kitas nur teilweise öffnen, weil das erforderliche Personal fehlt. Daher ist die Landesregierung gefordert, kurzfristig weitere Maßnahmen zu ergreifen. Um dem Fachkräftemangel und der Belastungssituation sofort abzuhelfen, muss das pädagogische Personal von weiteren nicht-pädagogischen Aufgaben entlastet werden. Dafür müssen die Gelder im Kibiz NRW (sonstige Personalkraftstunden) aufgestockt werden, um mehr nicht-pädagogisches Personal in den Kitas dauerhaft zu finanzieren,“ so Tjark Sauer, Fachsekretär im Landesbezirksfachbereich NRW.