Medien, Kunst und Industrie

„Make capitalism history“

„Make capitalism history“

Vom Proletariat zum Prekariat im digitalen Kapitalismus
Medien, links, radikal, Arbeit, Arbeitskampf, Köln, 1968/2018 Blick zurück nach vorn

   

Datum: Do 3. Mai 2018
Ort: DGB-Haus, Hans Böckler Platz , Großer Saal,
Beginn: 19:30

1968 war mehr als eine Student*innenrevolte. Es war auch der Vorlauf des letzten Zyklus (69 bis 73) klassischer gewerkschaftlicher Massen-Kämpfe um mehr Lohn in der BRD. Im Mai 1968 streikten in Frankreich 10 Millionen Arbeiter*innen.  Im Gesamt Europa hatte das Folgen, auch in der BRD. Im Aufschwung am Ende der ersten Wirtschaftskrise seit Bestehen der BRD 1967/68 brachen 1969 die „Septemberstreiks“ über fast 20 Jahre „Wirtschaftswunder“ herein. Ca. 140 000 Kolleg*innen beteiligten sich daran.

Dann ab Frühjahr 1973 flammten viele „spontane“ Streiks auf:  bei Hoesch, Mannesmann, Pierburg Neuss (reiner Frauenbetrieb) und später bei Ford in Köln. Den Gewerkschaften machte dabei  nicht nur die Verletzung der „Friedenspflicht“ zu schaffen. Oft sind  wesentlichen Träger*innen der „wilden“ Streiks  Migranten, bei Pierburg Neuss sogar Migrantinnen. Und in den Belegschaften sind seit zwei bis drei Jahren als Arbeiter*innen getarnte studentische K-Gruppenmitglieder aktiv.

Und heute: Die gesellschaftliche Dynamik, die durch 68er Bewegung  in die Welt gesetzt wurde, hat in vielen Bereichen emanzipatorische Entwicklungen gebracht. Auch wenn hier noch Luft nach oben ist, in der Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter, der sexuellen Orientierung und der Diskriminierung von Minderheiten hat 68 Erfolge gebracht.

Aber im Kernbereich dieser Gesellschaft sieht es eher düsterer aus als vor 1968 . Oder wie Thomas Wagner es in seinem Buch über „1968 und die Rechte“  ausdrückt: „Nach wie vor geht es um das noch uneingelöste Versprechen von 1968: die Überwindung kapitalistischer Herrschaft. Und immer noch geht es um Antworten auf drängende Fragen wie diese: Wer verfügt über die Produktionsmittel im 21. Jahrhundert? Wer gebietet über die von uns unablässig produzierten Daten? Sollen wir sie privaten Monopolkonzernen überlassen oder sie in die demokratisch kontrollierte öffentliche Hand überführen?“

Die Suche nach Antworten auf diese Fragen und die Strategie der verschiedenen heutigen Akteure gegen die Prekarisierung der vertraglichen Arbeitsverhältnisse, der Entlohnung und der Arbeitsbedingungen stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils der Veranstaltung, nach einem kurzen Rückblick auf die Arbeits- und Produktionsverhältnisse von 1968 bis in die 70er. Zu Wort kommen sollen hier Gewerkschafter*innen: für den DGB Köln ihr Vorsitzender Witich Rossman und die ver.di Köln Vorsitzende Heidrun Abel. Aber auch nicht gewerkschaftliche Aktivist*innen, wie Jessica Reisner von "Arbeitsunrecht" und John Malamatinas - von der Kampagne  „make amazon pay“ werden in der Runde vertreten sein.
Moderiert wird die Veranstaltung von Albrecht Kieser von "work watch" Köln.


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